Lebensretter auf dem eflizzer elektro Scooter

Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Wenn die Organe eines Betroffenen nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden, ist unverzüglich eine Reanimation nötig. Im Universitätsspital Zürich werden diese durch das sogenannte Reanimationsteam ausgeführt. Dieses ist für das ganze, weitläufige Gelände des Spitals zuständig.

Um zeitnah beim Patienten einzutreffen, ist das Team auf ein zuverlässiges Fahrzeug angewiesen und testet zurzeit deshalb zwei unserer Elektro Scooter.

Lena hat Emanuele Garafalo, Gruppenleiter des Reanimationsteams im Unispital getroffen, um zu erfahren, wie sich die eflizzer Elektro Scooter im Ernstfall bewähren.

Hallo Emanuele, kannst Du Dich und Dein Team kurz vorstellen?

Ich leite das Reanimationsteam im Bereich Notfall OP. Dieses ist Teil der Abteilung Anästhesie. Unser Team arbeitet nicht nur im OP, sondern ist für alle internen Notfälle des Spitals zuständig. D.h. wenn ein Patient auf Abteilung, jemand im Bistro oder im Labor ein ernsthaftes gesundheitliches Problem hat, kommen wir. Wir decken auch die Notfälle ab, welche von Schutz & Rettung Zürich oder von der Rega in das Unispital eingeliefert werden. 

Wann und wie kommen die eflizzer Elektro Scooter in Einsatz?

Wenn ein interner Notfall passiert, schnappen sich die Leute vom Reanimationsteam einen Rucksack und einen Defibrillator, besteigen einen Elektro Scooter und fahren zum jeweiligen Gebäude, in dem sich der Patient befindet. Da innerhalb der Stationen und öffentlichen Räume des Spitals keine Fahrzeuge erlaubt sind, müssen die letzten Meter meist zu Fuss zurückgelegt werden. Ich denke aber, dass wir vom Reanimationsteam, wenn wir möchten, eine Ausnahmebewilligung erhalten würden. das heisst wir könnten in Zukunft auch direkt auf die Bettenstation fahren.

Das Unispital ist vom Bau her ein sehr altes Spital und ist blockartig aufgebaut und Schritt für Schritt erweitert worden. Dadurch, dass viele Bauten auch noch unter Denkmalschutz stehen, entstanden dadurch sehr komplizierte und lange Wege zwischen den verschiedenen Gebäuden und Stationen. Das ist zwar schön und ein wenig «urchig» anzusehen, aber es ist allerdings auch eine Katastrophe, wenn man sich schnell in diesem Labyrinth fortbewegen will.

Wie wart Ihr bisher unterwegs?

Weil das Unispital ein sehr grosses Areal ist, wurden schon immer Fahrzeuge genutzt, um möglichst schnell beim Patienten zu sein.

Zurzeit werden normale Fahrräder mit grossen Transportkörben genutzt, mit welchen man in unterirdischen Tunnels zu den verschiedenen Kliniken gelangt.

Wie seid ihr auf eflizzer eScooter gekommen?

Die jetzigen Velos sind seit ca. 10 Jahren im Einsatz. Wir waren aber nie wirklich glücklich mit dieser Lösung. Die Fahrräder sind schwer, gross und unhandlich. Zudem verfügen Sie über schlecht funktionierende Rücktrittbremsen. Diese sind sich viele Mitarbeiter nicht gewohnt, was in Vergangenheit auch schon zu Unfällen führte.

Deshalb stand schon länger eine Neuanschaffung im Raum. Ich habe mir gedacht, wenn wir schon was Neues kaufen, dann vielleicht was anderes als ein Velo, etwas Handlicheres. Ich bin dann relativ schnell auf ein herkömmliches Trottinett gekommen, aber das schien mir dann mit dem Fussantrieb doch etwas zu langsam zu sein. Vor allem gibt es auf dem Spitalgelände viele Bereiche, bei denen es bergauf geht und das wäre ohne Motor kaum machbar. Ein Trottinett mit Elektromotor bringt natürlich den Vorteil, dass man nicht ausser Atem am Einsatzort ankommt. Das bringt natürlich auch dem Patienten viel, wenn wir ankommen und entspannt sind.

Ehrlich gesagt habe ich zuerst geschaut wie viel so ein Elektro Scooter bei einem Discounter kostet und bei Digitec und anderen Plattformen geschaut, ob es günstigere Alternativen gibt. Bin dann aber zum Schluss gekommen, dass irgendein Grosshändler, der das Produkt nur verkauft und that’s it, d.h. der dann auch keinen Service anbietet, nicht in Frage kommt.

Dann habe ich recherchiert, was es für Firmen gibt, die sich auf elektrische Mobilität spezialisiert haben und bin dann relativ schnell auf Euch (eflizzer) gestossen. Was mir gut gefallen hat ist, dass Ihr in Zürich stationiert seid, was für das Unispital natürlich perfekt ist.

Schliesslich habe ich dann bei Euch angefragt, ob wir einen unverbindlichen Test machen könnten. Das war für mich sehr wichtig. Wir können nicht einfach so ein paar Elektro Scooter kaufen, ohne zu wissen ob sie sich auch im Einsatz bewähren.

Wer benutzt die elektro Trottinetts?

Grundsätzlich gibt es da zwei Gruppen von Nutzern. Es gibt ein Stammteam von ca. 20 Leuten das immer mehr oder weniger gleich bleibt, dieses besteht aus Pflegern und Ärzten. Dann gibt es Studierende die alle 2 Monate die Abteilung wechseln und Assistenzärzte, die vielleicht einen Monat da sind, um dann wieder in einen anderen OP-Bereich zu wechseln. Potenziell ist es dadurch möglich, dass in einem Jahr bis zu 200 verschiedene Leute mit den Elektro Scootern fahren. Es fahren immer mindestens 2 Leute an einen Einsatzort.

Wir haben eine Regel, dass jeder Mitarbeiter, der potenziell auf einen Einsatz mitkommen könnte vorher eine Testfahrt gemacht haben muss. Das war mit dem Velo schon so und wird auch mit dem Elektro Scooter so beibehalten.

Wie lief die Testphase bisher?

Jetzt während der 3-wöchigen Testphase, waren die Elektro Scooter noch nicht so häufig im Einsatz am Patienten. Das Reanimationsteam wird nicht jeden Tag gebraucht, mal ist an einem Tag kein Einsatz und dann am nächsten Tag gleich 5, das variiert sehr.

Allerdings habe ich jedem Mitarbeiter im Team gezeigt, wie der Elektro Scooter funktioniert und dann hat jeder eine kleine Testrunde gemacht. Ich habe die Mitarbeiter immer wieder gebeten, sie sollen nochmals eine Runde fahren oder auch mal den Weg fahren, den wir normalerweise für eine Reanimation fahren würden und mir dann ein Feedback geben. Mit Rucksack, ohne Rucksack, mit Defibrillator, ohne Defibrillator. So konnten wir viel Erfahrung sammeln.

Auf dem Fahrrad wurde der Rucksack auf dem Rücken getragen und der Defibrillator wurde in den Lenkerkorb reingepackt. Die Rucksäcke sind relativ schwer und damit zu pedalieren eher mühsam. Jetzt mit dem Elektro Scooter binden wir den Defibrillator wie ein Brustgurt um und das ist sehr stabil. Ich bin wirklich viel mit dem Gerät rumgefahren, und ich merke keinen Unterschied, ob ich einfach so darauf stehe oder mit Rucksack oder umgebundenem Defibrillator.

Wie haben die Mitarbeiter auf die Elektro Scooter reagiert?

Erstaunlicherweise sehr gut, ich hatte mit mehr Widerstand gerechnet. Nach der ersten Fahrt haben sich fast alle mit den Elektro Scootern angefreundet, auch die älteren Mitarbeiter. Auch die, die zu Beginn skeptisch waren, kamen nach 20 Metern Fahrt mit einem «Smile» im Gesicht zurück. Ich hatte mir im Vorfeld ein wenig Sorgen gemacht, ob jeder damit herumfahren kann, das war auch ein Grund, warum ich die e-Trottis vorher testen wollte.

Ich habe ein Feedback-Formular erstellt, das jeder nach der Fahrt ausfüllen musste. Zu meinem Erstaunen ist von 30 ausgefüllten Formularen nur eines mit negativem Feedback zurückgekommen. 29 von 30 Personen, die sagen, sie finden den Elektro Scooter besser als die jetzige Lösung mit den Velos, habe ich nicht erwartet.

Weshalb habt ihr euch für unseren Elektro Scooter Basic ohne Federung entschieden?

Aufgrund der Strecke und des Untergrunds, vor allem auch aufgrund des geringeren Gewichts gegenüber einem gefederten Modell. Zudem stimmt für uns das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich privat würde bestimmt einen Elektro Scooter mit Federung kaufen, aber im Spital fahren wir 95% der Strecken auf sehr ebenem Belag. Es kann sein, dass wir mal ins Freie müssen, aber auch da fahren wir nur auf Asphalt ohne grössere Hindernisse. Deshalb bevorzuge ich ein leichteres, kompakteres Gerät, welches man auch mal ein oder zwei Stockwerke tragen kann.

Wie ladet ihr die Elektro Scooter?

Momentan laden wir sie normal mit dem mitgelieferten Ladegerät. In Zukunft wäre aber auch eine eigene Lösung vorstellbar. Wir haben intern eine sehr gutes Medizintechnikteam, das uns eine massgeschneiderte Ladestation konstruieren könnte. Allerdings habe ich in diesen 3 Wochen, in denen wir getestet haben, auch gesehen, dass das Laden der Akkus ein viel kleineres Problem ist, als ich dachte. Wir haben in diesen 3 Wochen mit täglichem Fahren nie laden müssen und die Akkus sind immer noch zur Hälfte voll. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir gar keine richtige Ladestation brauchen werden, sondern dass wir wirklich nur mit den Standard-Ladegerät laden. Wir müssten dann einfach einmal in der Woche den Ladestand kontrollieren und wenn dieser unter 75% gefallen ist, das entsprechende Gerät an den Strom hängen.

Wo werden die Elektro Scooter aufbewahrt / geparkt?

Die Sicherheit bzw. das Abschliessen der Elektro Scooter bereitet mir tatsächlich sorgen. Wir befinden uns zwar in einem Spital, aber es verschwindet trotzdem sehr viel Material und es wird viel gestohlen. Erstaunlicherweise sogar im OP. Mir ist sogar mal ein Laptop aus meinem Büro gestohlen worden. Es ist nicht so, dass gleich alles verschwindet, was man rumstehen lässt. Aber wir können die Elektro Scooter sicher nicht einfach ungesichert parkieren. Deshalb brauchen wir noch eine Lösung, um die Fahrzeuge sicher verwahren zu können. Gemäss unser Abteilung Technik wäre es ein Lösung, die Stromzufuhr des Elektro Scooters über den RFID Chip in unseren Personalausweisen zu steuern, so dass man die Fahrzeuge nur mit einem gültigen Ausweis fahren kann. 

Seht ihr noch weitere Anwendungsgebiete des Elektro Scooters im Universitätsspital?

Das Unispital hat viele Velos. Vor allem der technische Dienst und der Informatiksupport fahren damit herum. Wir haben einen internen Transportdienst, der vor allem Patienten von Bett zu Bett begleitet. Aber die Leute vom Transportdienst erledigen auch andere Transportaufträge z.B. holen sie Blut oder Tumormaterial vom OP und bringen es zum Analysieren ins Labor. Sie verwenden zwar die dreirädrigen Elektrofahrzeuge von Kyburz, die auch die Post hat, aber sie gehen oft zu Fuss bei kleineren Aufträgen. Also könnte ich mir vorstellen, dass der Transportdienst Interesse an Elektro Scootern hätte. Auch die Security-Leute sind viel zu Fuss unterwegs.

Wir danken für das spannende Interview und hoffen, dass ihr mit euren eflizzern noch viele erfolgreiche Einsätze durchführen können.

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