Nachhaltige Mobilität: Mit e-Bike und ÖV in die Berge

Ein Beitrag von Annina Reber

Die Tatsache, dass der Freizeitverkehr – mit fast der Hälfte aller im Inland zurückgelegten Distanzen – für den grössten Teil der Nachfrage an Verkehrsleistungen verantwortlich ist, stimmt mich als Bergsportlerin nachdenklich. Wie kann ich als Konsumentin meinen Fussabdruck verkleinern ohne ganz auf die Aktivitäten in den heimischen Bergen verzichten zu müssen? Auf der Suche nach einem lustvollen Weg, mit einer bezüglich CO2 Emissionen optimierten, ökologisch nachhaltigen Mobilität einen persönlichen Mehrwert zu generieren, bin ich auf Klappvelos mit Elektrounterstützung gestossen.

Diese Grafik aus dem aktuellen Umweltbericht des Bundesrates vergleicht die verschiedenen Verkehrsmittel bezüglich Nachhaltigkeit. Die Grafik zeigt, dass ein Personenwagen (PW) mit fünf Personen befüllt werden müsste, um die Umweltbelastung auf den Wert des öffentlichen Verkehrs (ÖV) zu senken. In Sachen Ökologie bzw. Nachhaltigkeit ist also bereits relativ viel erreicht, wenn ich auf den motorisierten Individualverkehr (MIV) verzichte und mich mit ÖV und e-Bike fortbewege.

Nun wissen wir ja alle, dass es sehr praktisch und bequem ist, in der eigenen Garage oder auf dem Parkplatz vor der Haustüre zum selber ausgewählten Zeitpunkt ins Auto zu sitzen und in Richtung Freizeitaktivität loszubrausen. Stattdessen nehme ich heute das Elektro Klappvelo vom Veloständer vor unserem Wohnblock und fahre an den Zürcher Hauptbahnhof. Mich interessiert es, ob diese Variante tatsächlich so viele Nachteile und Unbequemlichkeiten gegenüber dem MIV bringt.

Grössenvergleich Rucksack und Klappvelo.

Das elektro Klappvelo befreit mich im Zug und Postauto von vielen komplizierten Umständen, die ein normaler Velotransport mit sich bringen würde. Zusammengeklappt benötigt das faltbare e-Bike etwa so viel Platz wie ein grosser Koffer. Um das e-Bike  zu klappen brauche ich genau vier einfach auszuführende Handgriffe.

  • Sattel runter
  • linkes Pedal nach vorne
  • Rahmen klappen
  • Lenker klappen

Easy, finde ich.

Ich bin in der Wahl des Zuges komplett flexibel und nicht abhängig von verfügbaren Veloplätzen. Ich steige in den nächstbesten Wagen ein und verstaue das Velo, wie ein grosses Gepäckstück, in einer beliebigen Ecke. Decke ich das Velo mit der mitgelieferten Tasche ab, ist der Transport in den ÖV sogar kostenlos.

Ich fahre in das voralpine, zürcher Naherholungsgebiet Wägital. In Siebnen-Wangen muss von der S-Bahn auf das Postauto umgestiegen werden. Auch hier gestaltet sich der Velotransport auf dem Rollstuhl- oder Kinderwagenplatz des Postautos als unproblematisch.

In Innerthal ist Endstation des ÖV. Hätte ich das Auto, käme ich viel weiter. Ja, ein klarer Nachteil!
Nicht aber mit dem elektro Klappvelo im Gepäck! Mit den einfachen Handgriffen ist das Velo schnell betriebsbereit und ich fahre los, auf der asphaltierten Strasse in Richtung Alp Schwarzegg – unterstützt durch den Elektroantrieb. Man muss also auch kein Supersportler sein, um ans Ziel zu gelangen.

Fahrverbot für den motorisierten Verkehr! Ab hier bin ich im Vorteil gegenüber dem Auto. Weiter geht`s in Richtung Alp Schwarzegg.

Härtetest für die kleinen Räder auf der Schotterstrasse. Im Hintergrund das heutige Ziel. Alpinwanderung auf den Schiberg über die Brennaroute. Links hinten sieht man die Türme des legendären Klettergebiets Bockmattli und dazwischen der Bockmattlipass.

Auf der Schwarzegg angekommen ist die Alpstrasse zu Ende und es geht nur noch zu Fuss auf dem Bergweg weiter. Mit dem Velo habe ich definitv kein Parkplatzproblem.

Impressionen von der Alpinwanderung auf den Schiberg:

Nach dem steilen Abstieg vom Bockmattlipass bin ich sehr froh, bald gelenkschonend auf das Velo umsteigen zu können. Immer noch fehlen mehrere hundert Höhenmeter bis zum Stausee runter.

In rasantem Tempo fahre ich gleich bis zum Bahnhof Siebnen-Wangen ab. Mit der S-Bahn geht`s zurück zum Bahnhof Enge, wo ich das Velo bequem mit dem Personenlift auf die Strassenebene hoch bringe. Speditiv fahre ich am feierabendlichen Stau vorbei nach Hause.

Fazit:

Der eflizzer Sprint überzeugt mich wegen einfacher Handhabung und Transportierbarkeit in Kombination mit Zug und Postauto. Für die letzte Meile vor dem Berg habe ich einen klaren Vorteil gegenüber dem Auto, da ich in der Regel näher ran komme. Viele Alpstrassen haben Fahrverbote für den motorisierten Verkehr. Auf asphaltierten Strässchen ist der Fahrspass sehr hoch und ich stelle keinen Nachteil gegenüber einem herkömmlichen Bike fest. Auf Schotterstrassen wird es wegen der fehlenden Federung sehr ruppig. Ich bevorzugte, als es steil wurde, den elektrischen Schiebemechanismus. Die Akkuleistung ist etwas geringer als bei einem herkömmlichen E-Bike. Ich konnte jedoch sehr gut mittels Pedalieren unterstützen und kam deshalb sehr schnell und recht bequem ans Ziel. Für den Abstieg ist die Abfahrt mit dem Velo ein wahrer Genuss und stellt für mich ganz klar eine willkommene Abwechslung und eine Aufwertung des Freizeit Erlebnisses an der frischen Luft dar.

Annina Reber ist passionierte Bergsportlerin und Bergführerin mit eidg. Fachausweis und ist an zeitgemässer Mobilität interessiert.

Hier noch ein kurzes Video dazu…

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