E-Scooter Reise: Mit dem E-Scooter ans Meer

Reise Bericht: Mit dem E-Scooter von der Schweiz nach Italien

Eine E-Scooter Reise ans Meer, das möchten zwei junge Menschen realisieren. Kein Flugticket, dafür möglichst viel Abenteuer. Gedacht, getan – Luisa und Phil starten am 11. Juli 2022 in Luzern mit zwei E-Scootern von eflizzer ihren Roadtrip an die italienische Küste.

Die E-Scooter Reise der beiden Luzerner haben wir im Sommer 2022 angekündigt und auf Instagram @elektrotram kommentiert. Unterdessen haben Phil und Louisa eine ausführlichen Reisebericht verfasst und einen Kurzfilm (Trailer unten) über ihre Ferienerfahrung gedreht. Diesen möchten sie an Filmfestivals einreichen, denn das Hauptthema ihrer Reise wird uns alle in naher Zukunft intensiv beschäftigen: immense Hitze. Entsprechend nennen der Filmemacher und die Lehrerin und Model ihren Reisebericht und den Film CALDO – Hitze auf Italienisch – denn ihre Tour mit den E-Scootern war vor allem von der sengenden Sonne geprägt. Lesen Sie selbst.

Ein Reisebericht von Luisa Hager und Phil Meyer

CALDO – Eine (E-Scooter)-Reise ans Meer

Stell dir vor, du hast eine verrückte Idee. Sie setzt sich in deinem Kopf fest und lässt dich nicht mehr los. So penetrant, dass du sie einfach umsetzten musst. Koste es, was es wolle. Mit dem E-Scooter 250 km ans Meer. Eine blöde Idee? Wir mache es trotzdem – oder genau deshalb.

Tag 1: Die Ungewissheit
Lugano bis Tradate (41 Kilometer)

Unsere Reise startet zuhause in Luzern. Durch die halbe Schweiz zu fahren, finden wir langweilig, deshalb nehmen wir die SBB bis nach Lugano. Die eflizzer E-Scooter kann man zusammenklappen, in eine Hülle packen und als Gepäck mitführen. Das ist praktisch, denn somit müssen wir für unsere Scooter kein Mitführticket bezahlen

Auf unserem ersten Routenabschnitt sind wir voller Ungewissheit. Wie lange können wir die E-Scooter am Stück fahren? Trägt der E-Scooter unser Gepäck? Reicht der Akku für die lange Reise und schaffen wir es immer die Akkus beizeiten aufzuladen oder werden wir auch mal schieben müssen? Und sowieso, wird uns diese Reise Spass machen?

In Lugano angekommen, stehen die ersten 41 Kilometer vor uns. Ausreden gibt es jetzt keine, dafür nur noch eines: Vollgas der geplanten Route nach.

Die ersten Kilometer sind für die E-Scooter kein Problem. Auf Nebenwegen und kleinen Dorfstrassen kommen wir unserem Etappen-Ziel Tradate immer näher. Doch die ersten Herausforderungen lassen nicht auf sich warten. Bei 39 Grad Celsius überhitzt das Handy, die Navigation setzt aus und bald stehen wir vor einem Mountainbike-Trail. Über Wurzeln und Steine müssen wir unsere E-Scooter einige Meter schieben. Danach meistern wir sogar diesen holprigen Weg. Je besser wir uns an das Fahrzeug gewöhnen, desto mehr Spass macht das E-Scooter-Fahren.

10 Kilometer vor unserem ersten Ziel geschieht das, was wir befürchtet hatten. Die Akku-Anzeige des eflizzers blinkt, der Akku ist leer. Wo können wir unseren E-Scooter aufladen? In einem kleinen Kaffee am Strassenrand finden wir Rettung. Wir reden mit der Besitzerin und geniessen einen guten Espresso. Nach zwei Stunden Ladezeit kann es weiter gehen – der Akku ist genügend aufgeladen.

Als wir am Abend endlich unser erstes Ziel, das Hotel Locanda Tradate erreichen, ist es immer noch brennend heiss. Wir sind von der Hitze und vom Stehen total erschöpft, aber sehr glücklich, das Ziel wie geplant vor der Nacht erreicht zu haben.

Tag 2: Es geht weiter
Tradate bis Castelletto (46 Kilometer)

Ausgeschlafen und voller Tatendrang starten wir morgens um 9:00 Uhr die zweite Etappe. Bei 35 ℃ und unglaublich trockener Luft, ist jeder Kraftakt eine Tortur. Je fortgeschrittener der Tag, desto erdrückender wird die Hitze und es fühlt sich an, wie wenn wir gegen eine Hitzewand fahren würden. Die E-Scooter überhitzen regelmässig und zwingen uns zum gefürchteten Stossen. Ein Aufwand, der viel Kraft und Nerven kostet. Die Erschöpfung zwingt uns immer wieder dazu, Pausen zu machen. In einem Park suchen wir
Schutz im Schatten und kühlen uns bei einem Wasserhahn ab. Das anfangs zügige Reisetempo wird verlangsamt. Am späteren Nachmittag trennen uns noch 30 Kilometer von unserem zweiten Etappen-Ziel. Am Abend in Abbiategrasso, im Nuovo Albergo angekommen, lassen wir den Tag ausklingen
und geniessen den Abend.

Tag 3: Es wird heiss, aber richtig
Castelletto bis Sannazzaro de’ Burgondi (48 Kilometer)

Wir fahren nun tiefer ins Landesinnere Italiens. Was uns erschreckt, ist die wahnsinnige Trockenheit. Felder müssen schon jetzt, zu Sommeranfang, künstlich bewässert werden und der Fluss Po steht kurz vor dem Austrocknen. Sich mit 25 km/h durch die ausgedörrte Landschaft zu bewegen, bringt uns zum Nachdenken. Die Hitze tut uns und unseren E-Trottis nicht gut. Ungefähr alle 5 km geben die Motoren den Geist auf. Wir müssen Schatten suchen,
um die E-Scooter abzukühlen. Das Warten bringt unseren Zeitplan zwar durcheinander, dafür entschleunigt es unsere Reise und lässt uns idyllische, versteckte Plätzchen entdecken. Die Hitze setzt unseren Körpern zunehmend zu. Sogar ein Sprung in den beinahe ausgetrockneten Fluss bringt keine Abkühlung. Am Abend spüren wir jeden Meter in unseren Knochen, und jegliche
Energiereserven sind aufgebraucht. Kalte Dusche, Room Service und ab ins Bett, ist das Einzige, was wir noch schaffen.

Tag 4: Hitzeschlag
Sannazzaro de’ Burgondi bis Villalvernia (46 Kilometer)

8:00 Uhr, unser Tag beginnt. Eine gewisse Routine hat sich in unseren Vorbereitungen etabliert. Schnell stehen wir wieder startbereit auf der Strasse. Nach einer Stunde gibt ein E-Scooter bereits auf und bringt unseren Zeitplan durcheinander. Noch bevor es Mittag wird, ist die Temperatur unerträglich. Der Fahrtwind bringt null Abkühlung. Wir fahren in langsamen Tempo, stossen unsere E-Scooter, schleppen uns von Schattenplatz zu Schattenplatz.
Plötzlich stehen wir vor einer abgesperrten Brücke, können wir sie trotzdem passieren? Die Umfahrung würde uns weitere 10 Kilometer kosten. Unter den gegebenen Umständen eine gefühlte Ewigkeit. Ein Restaurantbesitzer in der Nähe gibt uns den Rat, die Überquerung zu wagen. Mit seiner Vespa befährt er die ersten Meter der langen Brücke und befindet sie als überquerbar. Mit einem mulmigen Gefühl stossen wir die Scooter über die marode Brücke. Geschafft!

Ab 15:00 Uhr herrscht eine höllische Hitze. Der Weg wird zudem noch komplizierter zu befahren, schmale Wege und ein kiesiger, rutschiger Untergrund. Wir müssen uns sehr konzentrieren, um nicht umzufallen. Doch die E-Scooter tragen uns sicher über den Boden. Drei Kilometer später erreichen wir fix und fertig ein kleines Kaffee. Beim Hinsetzen merken wir, dass unsere Körper total überhitzt sind. Wir sind müde, verwirrt und uns ist schwindelig. Es ist klar: Wir brauchen eine Pause. Im nächsten Park finden wir erholsamen Schlaf. Regeneriert und 13 Kilometer weiter, erreichen wir Villalvernia. Auch der letzte Anstieg ist kein Hindernis mehr. Und die Herzlichkeit unserer Gastgeberin im wunderschönen Anwesen «La Selva» macht unsere Strapazen wieder weg.

Tag 5: Ruhetag
Villalvernia 

Um die vier strengen Reisetage zu verarbeiten, haben wir uns für einen Ruhetag entscheiden. Kaffee trinken, gut essen, Powernapping und alle Akkus aufladen. Nächsten tags erwartet uns die gefürchtete Königsetappe. Mit einem Höhenprofil von über 1’200 Meter.

Tag 6: Königsetappe
Villalvernia bis Campo Ligure (51 Kilometer)

Wir starten früh morgens kurz vor 7:00 Uhr, um die kühlsten Stunden zu nutzen. Die ersten Kilometer kommen wir gut vorwärts und am Horizont erscheint die letzte Bergkette, die uns vom Meer trennt. Die E-Scooter überhitzen schnell. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als sie immer wieder zu stossen.

Die Abfahrt wird etwas vom schönsten, das wir je erlebt haben. Ein Freiheitsgefühl, welches in jeder Faser unserer Körper zu spüren ist. Wir sind hin und weg. In der Mitte der Etappe suchen wir in einem Hippie-Dorf Schatten und kühlen uns in einem Fluss ab. Erst gegen 18 Uhr nehmen wir die restlichen 13 Kilometer in Angriff, es geht wieder steil bergauf. Eine Stunde später kommen wir am obersten Punkt an und fahren endlich wieder bergab ins Tal Campo Ligure. Eine wunderschöne Kleinstadt inmitten von dunkelgrünen Bergen. Langsam, aber sicher nehmen wir Meeresluft wahr. Jetzt geht es nur
noch 23 Kilometer bis an unser lang ersehntes Ziel: das Meer.

Tag 7: Das Meer
Campo Ligure bis Voltri (23 Kilometer)

Der letzte Tag, die letzte Etappe, das letzte Mal packen, das letzte Mal die E-Scooter bereit machen. Marco, der Hotelbesitzer, warnt uns vor dem letzten Aufstieg. Wir stossen wieder. Unsere Energie ist langsam aufgebraucht und die Konzentration gibt nach. Oben angekommen, sehen wir endlich das Blau. Weit unten liegt das Mittelmeer vor uns. Wir fahren eine wunderschöne Strasse hinunter ins Flachland. Die letzte Kurve, die letzte Kreuzung, das letzte Hindernis und wir sind am Meer. Schon oft sind wir ans Meer gereist – no big deal. Doch so wie heute, hat sich der Anblick des Meeres, die Meeresluft und das kühle Wasser noch nie angefühlt. Ein Gefühl, dass sich tief in unseren Körpern und unserer Erinnerung verankert.

E-Scooter Reise ans Meer: Bilanz 

Das Abenteuer hat sich gelohnt. Mit dem E-Scooter in die Ferien lässt dich flexibel reisen und ein Land hautnah erleben – positiv wie negativ. Du gelangst an Orte, die du bei einer Reise mit dem Auto, Zug, geschweige denn mit dem Flugzeug nie entdecken würdest. Du lernst Menschen kennen,
kannst dich austauschen und Tag für Tag die steigende Vorfreude geniessen. Und dafür brauchst du erstaunlich wenig: Das nötigste an Kleidung, Strom und ein Ziel. Lass das Abenteuer beginnen!

E-Scooter Reise, am Meer angekommen

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